„Live den Löwen sehen!“

Mario Neumann ist der Co-Trainer des SV Meppen. Ein Interview über Fußball in der DDR, Berufswünsche, Reisepläne und den Dialekt der Sachsen.

Mario, Du bist der Co-Trainer des SV Meppen und damit ein ganz wichtiger Teil des Trainerstabes. Die Rolle der Trainer-Assistenten wird immer wichtiger für den Erfolg. Deine Aufgaben sind dabei sehr vielschichtig, oder?

Mario Neumann: „Richtig. Bei uns in Meppen kommt ja auch noch hinzu, dass ich die Funktion des Teammanagers mit einnehme. Dazu gehört auch die Organisation der Auswärtsfahrten mit Bus und Hotelbuchungen. Beim SVM haben wir ein vergleichsweise kleines Trainerteam – zu dem als Videoanalyst auch Jens Robben gehört – und daher ist auch mit den Vor- und Nachbereitungen von Training und Spiel viel zu tun.“

Du bist in Stollberg (Erzgebirge) geboren und warst selbst Fußballprofi. Als Torwart hast Du u.a. von 1988 bis 1993 für den FSV Zwickau in der DDR-Oberliga – also der höchsten Spielklasse der damaligen DDR gespielt. Was sind Deine Erinnerungen daran?

Marion Neumann: „Ich muss da an mein erstes Spiel für Zwickau denken – es war gleich ein Derby gegen Wismut Aue, was heute ja Erzgebirge Aue heißt. Das war schon ein wahnsinniges Gefühl. Wir haben 1:1 gespielt. In der Saison gegen Spielerpersönlichkeiten wie Thomas Doll, Ulf Kirsten und Matthias Sammer anzutreten war natürlich eine coole Sache. Auch an die fünf Jahre in Jena erinnere ich mich gern. Dort war ich die Nummer 2 hinter dem großartigen Torwart Perry Bräutigam. Nach der Wende konnte ich gegen Nürnberg für Jena in der 90. Minute einen Elfmeter halten und so auch den Klassenerhalt sichern. Schöne Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin!“

Gab es noch einen weiteren Berufswunsch neben dem des Fußballprofis?

Mario Neumann: „Ja, den gab es. Sogar zwei. In einem sogenannten Berufswunschgespräch hatte ich gesagt, dass ich gerne im Bereich Journalismus arbeiten würde. Die Antwort war ziemlich klar: Das wird wohl nicht funktionieren, weil Deine Eltern nicht in der Partei sind. Dann habe ich gesagt OK, dann würde ich gern zur Kriminalpolizei gehen, weil mich das auch sehr interessierte. Das ging dann auch nicht. Meine Eltern waren nicht politisch engagiert. So war es in dem System DDR, dass man nicht das man konnte, was man gern wollte. Durch den Fußballverein in Zwickau, deren Hauptsponsor Sachsenring war, konnte ich dann eine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolvieren. Auch kein schlechter Beruf.“

Seit 2015 bist Du beim SV Meppen. Ticken die Emsländer anders als die Sachsen? Wo siehst Du die größten Unterschiede in der Mentalität?

Marion Neumann: „Die Emsländer sind, wenn man sich drauf einlässt, sehr herzlich und stehen zu 100 Prozent hinter Dir. Bei den Sachsen muss man oft in Vorleistungen gehen, um die Wertschätzung zu bekommen. Ich mag die Menschen im Emsland in ihrer verlässlichen Art.“

Was kann der Emsländer vom Sachsen lernen?

Mario Neumann: „Auf keinen Fall bitte die Sprache! (lacht herzlich)“

Hast Du heute als Co-Trainer ein bestimmtes, sich wiederholendes Ritual vor dem Spiel?

Mario Neumann: „Als Spieler habe ich schon immer den linken Schienbeinschoner, den linken Schuh und auch den linken Torwarthandschuh zuerst angezogen. Heute schaue ich schon, was habe ich beim letzten gewonnenen Spiel für Sachen angehabt? Das nehme ich dann gern wieder (lacht).“

Wie kannst Du am besten entspannen?

Mario Neumann: „Was ich wahnsinnig gern mache, ist an einem schönen Ort irgendwo ganz entspannt sitzen, etwas Gutes essen und mit meiner Frau einfach mal die Seele baumeln lassen. Das genieße ich sehr.“

Gibt es ein Reiseziel, dass Dich besonders reizt?

Mario Neumann: „Als kleines Kind habe ich schon davon geträumt mal einen Elefanten oder Löwen in freier Wildbahn zu beobachten. Deshalb steht der Krüger-Nationalpark in Südafrika ganz oben auf meiner Reisewunschliste.“

Wen würdest Du selbst gern einmal interviewen?

Mario Neumann: „Ich würde gern mal den Unternehmer Dietmar Hopp interviewen, der ja im Fußball als Mäzen derTSG 1899 Hoffenheim bekannt geworden ist. Er hat den Verein aufgebaut, aber daneben – und das finde ich toll – viele soziale Projekte unterstützt. Mit seiner Stiftung hilft er vorbildlich tausenden Kindern und Jugendlichen, kranken und behinderten Menschen und sozial Benachteiligten. Was ihn antreibt und motiviert, würde ich ihn gern fragen.“

Mario, vielen Dank!

Interview und Fotos: Thomas Kemper (Foto/Archiv: Frank Kruczynski)